Esprit & Schmackes

Handytragödien

Bewerbungstelefonate unter Einfluss von Murphys Gesetz so um die 666 Wörter

Ich wurde von einem Unternehmen zum Telefoninterview eingeladen, aus dem resultieren sollte, ob man sich überhaupt einigermaßen grün ist, bevor man weitere Schritte der Bewerbungsroutine einleitete. Ich habe mich natürlich riesig gefreut, weil dies den ersten direkten Kontakt überhaupt für mich darstellte. Natürlich hatte ich Angst, das Gespräch zu vermasseln, das kennt wohl jeder. Aber meistens ist es am Ende so schlimm gar nicht gewesen.

 

Nun, das trifft leider nicht immer zu.

 

Ich hatte mir nocheinmal die Webseite des Unternehmens angesehen und einige Stichworte aufgeschrieben, fühlte mich insgesamt gut vorbereitet und um kurz vor zehn saß ich an meinem Küchentisch und wartete auf den Anruf. Lustigerweise war ich ziemlich entspannt, als das Handy klingelte, und in den ersten Augenblicken ist auch weder mein Haus eingestürzt noch habe ich mir touretteähnliche Züge geleistet.

Leider machte mir mein Handy nach kurzer Zeit einen gehörigen Strich durch die Ich-führe-ein-lockeres-Gespräch-Rechnung, da die Verbindung alle paar Sekunden auf Reisen ging. Das Gerät hat Stil, denn natürlich brach die Verbindung nie ganz zusammen – zumindest am Anfang nicht – sondern an gerade so vielen gezielten Stellen, dass ich so gut wie keinen kompletten Satz hören konnte.

Während ich also die Reise nach Jerusalem spielte und meine gesamte Wohnung nach einer Stelle ablief, die „frei“ war, schaltete der Herr seinen Kollegen hinzu und statt einem katastrophalen Zwiegespräch hatte ich nun eine katastrophale Telefonkonferenz. Da ich nun nicht mehr locker flockig auf meinem Stuhl saß und mich stattdessen durch meine Bude hetzte, konnte ich mich weder auf die Antworten konzentrieren noch einen einigermaßen gefassten Zustand aufzeigen. Wahrscheinlich habe ich mich angehört wie eine Patientin, die an mittelschwerem Asthma leidet und jeden Moment kollabieren wird.

Das „Gespräch“ wurde irgendwann komplett unterbrochen. Total entnervt ging ich auf meinen Balkon – schmiss den Vorsatz „ruhige Umgebung suchen“ übers Geländer - und rief zurück. Wenn es denn ein Empfangsproblem in meiner Wohnung war, sollte dies ja gelöst werden können.

 

Pustekuchen.

 

Das Drama und damit das Karussel gingen also weiter, ich musste ständig nachfragen oder darum bitten, den gesprochenen Satz zu wiederholen, und dann war die Verbindung erneut auf Abwegen. Nun ging gar nichts mehr, ich konnte keine Anrufe mehr aufbauen und bekam keine mehr rein, dafür aber diese hilfreichen InfoSMS von o2, die mir freundlicherweise mitteilten, dass die Nummer XY mich soeben zu erreichen versucht hat – gut zu wissen! Und dito!!

 

Nun stand ich also völlig panisch in meiner Wohnung, mein Handy etwas debil anglotzend in der Hand haltend und meine Chance auf ein Telefongespräch für eine Möglichkeit zum persönlichen Gespräch, daraus resultierend den potentiellen Antritt eines Praktikums, das mir im Optimalfall eine Ausbildungsstelle ermöglichte, gen Abfluss sickern.

 

Nicht mit mir, Murphy.

 

Ich raffte mein Zeug zusammen und stolperte zu meinem Auto hinunter, versuchte es von da nocheinmal – Fehlanzeige – und düste zur Arbeitsstelle meiner Mutter. Natürlich telefonierte diese gerade mit ihrem Handy, als ich reinkam. Als sie fertig war, blickte sie mich erwartungsvoll an, und ich weiß, dass ihr gerade eine Frage wie „Und? Wie liefs?“ auf den Lippen lag. Stattdessen unterbrach ich sie keuchend und rief „Gib mir dein Handy! ICH BRAUCH DEIN HANDY!“

Zum Glück ist der Jugendclub um diese Zeit faktisch nicht existent und ich konnte das Gespräch in einer ruhigen Umgebung – tadaa, Vorsatz wieder da – zuende führen.

 

Welchen Eindruck ich bei den Herrschaften hinterlassen habe, kann ich nicht sagen. Ich erkenne die Bilder auf Puzzlen auch erst dann, wenn sie zusammengesetzt sind. Begeistert konnten sie schonmal nicht gewesen sein, aber immerhin gab man mir die Chance, mich zu beweisen, in dem man einen Test ankündigte. Die Aufgaben bekomme ich in ein paar Tagen, und wenn mein Computer nicht gerade unter Gruppenzwängen leidet, werde ich sie auch entsprechend lösen.

 

 

[Update] Die Stelle hab ich bekommen.

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