Esprit & Schmackes

Pflegt eure scheiß Feeds

einige unschöne Beispiele von Newsfeed-Verwahrlosung und warum mich das ärgert so um die 1007 Wörter

Newsfeeds. Schöne Sache, das.

Wenn ich auf eine interessante Seite stoße (Blog, Zeitschrift, weiß-der-Horst-was), dann abonniere ich als Erstes den Feed. Wenn ich Glück habe, finde ich das Feed-Icon irgendwo zwischen den Links zu Facebook- und Twitteraccounts, manchmal muss ich im Seitenquelltext danach suchen und bei einigen Härtefällen sogar eine Suchmaschine bemühen. Egal, das ist es mir wert. Feeds sind die einzigen Abos, die ich von Inhalten abschließen will.

Was gibt es da noch? Newsletter. Das Oldschool-Abo. Webseitenbetreiber sind irgendwie total scharf auf Newsletter, ich weiß nicht, warum. Diverse Shops bieten Gutscheine oder andere Vergünstigungen an, wenn man den Newsletter abonniert, Initiativen wie die Dark Mail Alliance informieren nur über Newsletter über neue Entwicklungen und meine Kollegin bekommt regelmäßig den Auftrag, einen neuen Newsletter für den Kunden zu erstellen/designen (und steht jedesmal kurz vor'm Heulkrampf, weil sie das als Strafarbeit empfindet und doch gar nichts falsch gemacht hat).

Ich hasse Newsletter. Mal davon abgesehen, dass das eMail-Format nie, ich meine wirklich nie, für die Darstellung von formatierten Inhalten vorgesehen war und man bei der Erstellung nur das möglichst kleinste Übel, heißt, möglichst wenig Inkompatibilitäten zwischen den Ansichten im Webmailer und den diversen Mailprogrammen, wählen kann, nutze ich eMails eigentlich als Kommunikationsmittel. Also, hin und zurück. Ich brauche keine stetig voller werden Sammelbox mit Werbeflyern. Ich brauche nur eine Alternative zum uneffizienten multiplen Aufrufen einer Webseite, um zu wissen, ob es was interessantes Neues gibt. Zudem geht ein Newsletterversand, je nach Empfängerzahl und Inhalt, enorm auf die Bandbreite – zehntausend Mailpakete, die mit Bildern (!), Stylesheets (!!) und Javascript (!!!) schonmal auf ein MB (!!1°!11!!) Gewicht kommen und vom ausgehenden Mailserver durchgenudeltgeprüft, in die halbe Welt verteilt und von diversen Empfangsmailservern wiederrum mit Spam-, Viren- und Blacklistfiltern gematcht werden müssen, um dann schlussendlich doch zu einem guten Teil in Spamordnern herumzusuppen oder schlichtweg gar nicht gelesen werden, muten so ein bisschen ineffizient an. Weiterhin liegt der Whoopsie-Schaden im Fall der Fälle bei nahezu 100% – fehlerhafte, peinliche, hässliche Mails, die versendet wurden, sind draußen und bleiben auch da (das ist nichtmal unbedingt allen IT-Menschen bekannt – ein nicht näher genannter Betriebsleiter einer Webentwicklungsfirma hatte zuletzt seinem Hoster geschrieben, sie mögen doch bitte eine eMail, die vor 15 Minuten versendet wurde, wieder zurückholen – als ich das Ticket las, wusste ich nicht recht zwischen lachen, weinen und kotzen zu entscheiden). Paypal kann davon mittlerweile bestimmt ein Lied singen.

Zudem muss natürlich jeder Webauftritt, der etwas auf sich hält, in fünf bis zwanzig crucial networks vertreten sein, damit auch möglichst alle verfügbaren Konsumenten gekächert werden können. Manchmal beschleicht mich beim Anblick der quälend langen Iconleisten (wahlweise kriegen die auch 'ne eigene Inhaltsseite, warum nicht) das Gefühl, ich wäre etwas zu wenig vernetzt, bis mir dann wieder einfällt, na zum Glück. Mir sind meistens nur ein Bruchteil dieser Networks überhaupt bekannt. Als Korinthenkacker möchte ich mich aber auf keiner Plattform mit einem Contenantanbieter vernetzen – ich mein, wie sieht das denn aus? Ich "folge" einer Zeitschrift (im Marschschritt)? Mir "gefällt" so ein degenerierter Idiot, bloß weil ich mehr von ihm lesen will? Vielleicht kotzen mich die Inhalte total an, ich brauch aber mehr davon um morgens warm zu werden? Nein, ich möchte gerne zu einem selbstgewählten Zeitpunkt und völlig ohne Statementabgabe Inhalt konsumieren.

Deswegen mag ich Feeds. Feeds sind klassischer Weise XML-Häppchen (mittlerweile ist da auch JSON im Kommen und, sehr entzückend, LOLCode), die entweder auf dem Server herumgammeln oder bei Abruf erstellt werden. Zum Konsumieren braucht man weder Statement noch eMail-Adresse, einzig ein Programm, dass den entsprechenden Parser intus hat. Bei den Klassikern RSS und Atom reicht da schon Thunderbird, wenn man nur eine Handvoll abonniert hat; für mehr Abos bieten sich entsprechende Programme an (ich empfehle Liferea auf Tuxen).

Ich könnte friedlich bis ans Ende meiner Tage mit meinem Feedreader leben, wären da nicht diese Hassmomente.

 

Liferea Screenshot

 

Gründe, wieso Feeds nicht geparst werden können, gibt es viele. Die Digitale Gesellschaft gibt einfach gar keinen aus:

 

Feed Fehler Digitale Gesellschaft

Die Website selbst funktioniert, also was machen die?

Gründerszene kriegen es nicht valide hin:

 

Gründerszene Feed Fehler

 

Die haben da einen wirklich sehr lustigen Aufbau. Ich weiß bis jetzt noch nicht ob das RSS oder Atom sein soll oder ob die das allen Ernstes mischen.

 

    xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
    xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
    xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
    xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
    xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
    xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"

?

Mal sehen wie lange die nach meinem Hinweis brauchen, das zu fixen. Das eine Mal hab ich nach 'nem Dreivierteljahr erst Antwort bekommen, die Mail wäre angeblich untergegangen. Da hatte ich dann auch keinen Bock mehr.

 

Noch schöner: Posteo geben in ihrem Feed mal glatt nur die Hälfte an News aus WOGIBTSDENNSOWAS. Ich hatte per Mail (= kommunizieren) dezent darauf hingewiesen, dass nicht alle Kategorien berücksichtigt werden, und erhielt als Antwort:

 

Der Feed sendet alle Informationen, die wir veröffentlichen. Lediglich die Medienbeiträge sind nicht Teil des Feeds. Dies ist von uns aber so gewollt.

 

Ahja. It's not a bug, it's a feature, mh? Dann abonnier ich den Scheiß eben nicht, wenn ich mir die andere Hälfte doch auf der Webseite reinziehen muss. Newsletter bieten'se natürlich an.

 

Leute wie mich (gibt bestimmt überbordernd viele) schreckt sowas jedenfalls ab. Wenn eine Site keinen funktionierenden Feed anbietet sieht die mich nicht wieder. Dabei ist das nun wirklich kein Krampf. Ich krieg's doch auch hin. Also pflegt doch bitte eure scheiß Feeds, ich würd' mich wirklich freuen.

 

Kommentare

bislang eingetrudelt: 2 Kommentare

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Klingt spannend.

Ich abonniere Seiten bei Gesichtsbuch nur statt sie zu liken, also ähnliche Intension wie du. Sind diese Feedreader besser als PC Programme oder hast du das auch als mobile Version mal testen können? Ich würde das gern ausprobieren. Let's talk about. HDL (boah das schreibt man heutzutage auch nicht mehr oder?), dein Schwästaschwaein.

[ am 13.08.2016 um 12:04 Uhr ]
[ 2 / 2 ]

Ich habe keinen Titel angegeben deswegen steht hier so ein lustiger Platzhalter

Naja, Facebook ist ja an sich schon ein Newsaggregator, nur mit undurchsichtigem Algorithmus dahinter. Mit Feedreader sind ja normale Programme gemeint, wie im ersten Screenshot zu sehen, mit denen man unterschiedliche Websites abonniert. Das gibt es analog natürlich auch als App für mobile Systeme (ios auf die Schnelle den hier gefunden: https://itunes.apple.com/de/app/free-rss-reader/id290537970?mt=8).
Vorallem in Bezug auf plattformübergreifende Nutzung sind die normalen Feedreader aber nicht ausreichend, weil keine Synchronisation stattfindet. Dafür brauchts dann nen Account bei irgendnem Dienst, auf den man dann mit allen Geräten zugreifen kann.

[ am 14.08.2016 um 20:54 Uhr ]

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